Im Netz ist kein Geld zu verdienen? Nur ein Mythos

Sie sind fern jeglicher Realität: die beiden großen Mythen, nach denen im Netz kein zu Geld zu verdienen ist und Print-Produkte mehr Qualität als Webseiten bieten.

Mythos 1: „Im Netz kann man kein Geld verdienen“


Falsch. Im Netz werden Milliarden verdient. Nur die Verlage bekommen vom Kuchen kaum etwas ab. Liegt das am Netz? Nein, die Verlage weigern sich noch immer, ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Ein kurzer Blick zurück. 1998 wollten die Google-Erfinder ihre Suchmaschine verkaufen. Ohne Erfolg. Kein Verleger, kein Medienmanager erkannte das Potential (und die Gefahr) im Anzeigenbereich. Selbst als die Umsätze die 100-Millionen-Dollar-Grenze knackten, wurde niemand nervös. Bis heute wissen viele Verlagsmanager immer noch nicht, was sich hinter AdWords und AdSense verbirgt. Und warum Google damit fast 30 Milliarden Dollar aus dem Anzeigenmarkt absaugt – Geld sonst  in die Kassen von traditionellen Verlagen fließen würde.

Aus Fehlern gelernt? Von wegen. Google fotografiert alle Straßen der Welt, verschenkt ein Betriebssystem für Handys und bietet weitere 100 Dienste kostenlos an. Aus Menschenliebe? Nein, das Unternehmen will seine Marktmacht bei den Online-Anzeigen ausbauen. Und die Medienwelt schaut zu.

Wenige, ganz wenige Verlage investieren stark ins Netz. Und haben dann auch Erfolg. Wie die Los Angeles Times, die die Gehälter alle Redakteure – also Print und Online – aus den Webeinkünften bezahlen kann. Auch die Macher der Financial Times in London verdienen im Netz. Interessant: Die LA Times setzt auf kostenlose Inhalte, die FT auf Paywalls.

Auch in Deutschland finden sich Perlen. Wie die Rhein-Zeitung in Koblenz. Dort wirkt eine sehr online-affine Chefredaktion. Mit Erfolg. So ist zu hören, dass die Webaktivitäten Geld in die Verlagskasse spülen. Nicht viel, aber genug, um mehrere Stellen zu finanzieren.

Erst investieren, dann kassieren – wer diese unternehmerische Regel nicht beherzt, wird im Netz auch kein Geld verdienen.

Mythos 2: „Print ist Qualitätsjournalismus“


Was hat die Vertriebsform mit dem Inhalt zu tun? Nichts. Flapsig formuliert: Ob der Parmesan per Laster oder Bahn nach Deutschland geschafft wird, ist gleichgültig. Hauptsache er stammt aus Oberitalien.

Die Behauptung, Qualitätsjournalismus und Printprodukte seien identisch, geht am Leser vorbei. Besonders seit der Landtagswahl in NRW. Die Affären um Jürgen Rüttgers („rent-a-Rüttgers“) wurden nicht von den sogenannten regionalen Qualitätsmedien enthüllt, sondern von Bloggern (die aber lange Jahre als Journalisten bei klassischen Verlagen gearbeitet haben).

Die Frage ist nicht: Print oder Online? Sondern: Eine Marke besteht aus Print und Online. Beide müssen stark sein, beide müssen Qualität bieten. Das ist leider viel zu selten der Fall. Deshalb sinken die Verkaufszahlen von Zeitungen und Magazinen – ohne dass die Zugriffe im Netz nennenswert steigen.

Zum Schluß noch ein Zitat von Wolfgang Blau, dem Chefredakteur von zeit.de. Er kommentierte die permanente Kritik der Verlegerverbände an Google mit den Worten:

„Das Verhalten dieser Verbände erinnert an einen Bären, der von einer Wespe attackiert wird. Weil er die Wespe nicht sehen kann, drischt er wahllos auf Felsen und Bäume ein.“

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