Strategisch gesehen: Warum „Mobile Only“ ein Irrweg ist

Wie verändert „Mobile“ den Journalismus? Auf der Social Media Week in Hamburg (Link) konnte ich meine Thesen präsentieren. Eine davon: „Mobile First“ ist richtig, „Mobile Only“ hingegen ein Irrweg.

Je steiler die These, desto größer das Echo. „Mobile Only“ ist so ein Schlagwort, das Internet-Vordenker gern bemühen. Der PC? Veraltet. Das Laptop? Ein Relikt von gestern. Ein Tablet? Gerade noch ok. Smartphone und Phablet seien die Zukunft, wollen uns die Gurus einreden und verweisen auf Statistiken, nach denen Webseiten immer häufiger von Mobiltelefonen aus aufgerufen werden.

Wollen Sie auf einem Smartphone Filme vertonen?

Dieser Trend existiert tatsächlich. Mobil wächst und wächst. Doch daraus „Mobil Only“ abzuleiten, ist genauso voreilig wie einst die Hymne von Springer-Chef Mathias Döpfner auf Steve Jobs und das iPad (Link siehe hier). Warum?

Noch dominieren große Bildschirme den Büro-Alltag. Das wird sich auch wohl kaum ändern. Im Gegenteil. Vom Texten über Bilder bearbeiten, Filme vertonen, Statistiken erstellen bis zum Programmieren – das Arbeiten und Surfen auf großen Bildschirmen ist bequemer und effektiver. Oder wollen Sie lieber Präsentation künftig auf dem Smartphone basteln? Wohl kaum.

Das Handy revolutioniert den Journalismus

Viele Dienste, die nur fürs Handy gedacht waren, sind inzwischen auch über das Web erreichbar. Zum Beispiel Instagram oder Vine. Die User wollten es so.

„Mobile Only“ wird selten funktionieren, „Mobile First“ fast immer. Ich glaube sogar, dass das Handy den Journalismus in einem Maße revolutioniert, das wir nur erahnen können. Warum? Niemand kennt Sie so gut wie Ihr Smartphone. Nicht einmal Ihre Mutter oder Ihr Ehepartner. Das Handy weiß, wo Sie sind. Ob Sie zu Fuß gehen oder im  Auto fahren (via Ortung). Es kennt die Themen, die Sie bewegen (via Browser und Apps). Und mit wem Sie gerade in Kontakt stehen (via Mail und Chat Apps). Ihr Handy – oder genauer die Facebook App – weiß sogar vor (!) Ihnen, wenn sich eine neue Liebe anbahnt (Link siehe hier).

Der Herr Oberlehrer aus dem Verlagshaus

Was das mit Journalismus zu tun hat? Viel! Internet-User erhalten mehr und mehr personalisierte Informationen. Von Firmen wie Facebook, Google oder Amazon. Die Konzerne investieren kräftig in Technik und Algorithmen. Nur die Medienbranche ziert sich noch. Noch immer sieht sich der Journalist als Oberlehrer, der dem geneigten Leser erzählt, was wichtig und unwichtig ist. Ich zum Beispiel werde immer mit großen Fußball-Berichten genervt, obwohl mir dieses Spiel viel zu langsam und langweilig ist – im Gegensatz zu Handball oder Sumo-Ringen. Von beiden Sportarten erfahre ich viel seltener bis nie etwas, obwohl sie mich interessieren.

Optiker Fielmann hat es vorgemacht

Die Methode „Eine News für alle Leser“ hat für mich soviel Charme wie einst die Brillengestelle der Krankenkassen. Auch damals wurde erzählt, es gebe keine Alternative – bis Günther Fielmann die Marktlücke entdeckte und einen Milliardenkonzern formte (Link siehe hier). Die traditionellen Medien sollten nicht warten, bis ihnen wieder einmal ein Startup zuvor kommt. Wie es gehen könnte, zeigt die BILD-Zeitung mit ihrer App Buzz (Link siehe hier). Die App merkt sich, was der Leser wünscht und personalisiert die Nachrichten entsprechend. Ein schöner Anfang auf einem langen Weg.

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